Plaquebildung, Zahnstein und resultierende Erkrankungen des Zahnhalteapparates
21.01.2012, 13:54 von Dr. med. vet. Claudia Kellermeier
Die Entzündung des Zahnhalteapparates ist die häufigste Erkrankung bei Hund und Katze. Im Laufe ihres Lebens ist jeder Hund und jede Katze mehr oder weniger stark davon betroffen.
Parodontale Erkrankungen beginnen mit einer Ansammlung von Bakterien auf den Zahnoberflächen und schreiten im weiteren Verlauf zu schwerwiegenden Zerstörungen des umgebenden Weich- und Knochengewebes fort. Diese können zu Zahnausfall und in extremen Fällen zu systemischen Erkrankungen führen.
Bei parodontalen Erkrankungen handelt es sich in der Regel um ein infektiöses Geschehen. Eine Ansammlung von bakteriellen Zahnbelägen (Plaque) ist Voraussetzung für die Entstehung einer Zahnfleischentzündung und der daraus folgenden Parodontitis. Zahnstein entsteht durch die Verkalkung dieser Zahnbeläge und bietet eine optimale Oberfläche für die Ansiedlung weiterer Bakterien. Diese Bakterien veranlassen eine entzündliche Reaktion im umgebenden parodontalen Gewebe.
Eine Zahnfleischentzündung ist charakterisiert durch einen geschwollenen und geröteten Zahnfleischsaum, der leicht zu Blutungen neigt. Im weiteren Verlauf kommt es zur Ausbildung tiefer Zahnfleischtaschen und zum Verlust von Zahnfleisch und Kieferknochen.
Unbehandelt hat eine Parodontitis schwerwiegende Folgen für die Gesundheit des Hundes und der Katze. Neben Maulgeruch und Zahnschmerzen führt sie unausweichlich zu Zahnverlusten. Die Probleme beschränken sich allerdings nicht nur auf die Maulhöhle: Leber, Nieren, Herz und Lunge können durch das ständige Eindringen von Bakterien und von ihnen produzierten Giftstoffen in den Blutstrom ebenfalls betroffen sein.
Wie kann man vorbeugen?
Professionelle Zahnreinigung
Eine professionelle parodontale Therapie durch den Tierarzt besteht in der Entfernung von Zahnbelägen und somit der Beseitigung des Entzündungsgeschehens, der Schaffung eines hygienischen Parodonts, der Regeneration des parodontalen Stützapparates und der Erhaltung der Allgemeingesundheit des Patienten.
Neben der instrumentellen Zahnreinigung mittels Ultraschallsonde, der Wurzelglättung und Zahnpolitur können auch invasivere Maßnahmen wie das Ziehen von Zähnen, das Legen von Füllungen und parodontal-chirurgische Eingriffe erforderlich sein. Diese Behandlungen sollten stets unter Narkose durchgeführt werden, um eine vollständige und gründliche Behandlung aller Zahnflächen zu gewährleisten.
Zähneputzen
Regelmäßiges Zähneputzen ist nachweislich die mit Abstand wirksamste Maßnahme zur Beseitigung von Zahnbelägen und damit zur Vorbeugung von Parodontalerkrankungen.
Der Erfolg des Zähneputzens hängt zum einen von der Kooperationsbereitschaft des Tieres, zum anderen aber auch ganz entscheidend von der Motivation und den technischen Fertigkeiten des Besitzers ab.
Diätfuttermittel
Obwohl eine ausschließliche Fütterung von Weichfuttermitteln die Plaquebildung fördern kann, sollte die weit verbreitete Ansicht, dass Trockenfuttermittel in jedem Fall maßgeblich zu einer signifikanten Zahnreinigung beitragen mit Skepsis betrachtet werden.
Speziell konzipierte Dentaldiäten und Zahnpflegekauriegel mit besonderen strukturellen Merkmallen führen dagegen nachweislich zu einer deutlichen Verringerung von Zahnbelägen. Keines der Produkte ist jedoch annähernd so wirksam wie das tägliche Zähneputzen.
Zusammenfassung
Die professionelle Zahnkontrolle sollte immer der erste Schritt sein: so kann der Zustand des Zahnhalteapparates beurteilt und eine sinnvolle Prophylaxe eingeleitet werden. Ein Wundermittel zur Prophylaxe parodontaler Erkrankungen gibt es leider nicht. Das tägliche Zähneputzen ist nach wie vor mit Abstand die wirksamste Methode zur Förderung der Heilung eines entzündeten Zahnfleisches und für die anschließende Erhaltung einer klinisch gesunden Gingiva.
Wir beraten Sie gerne in unserer Praxis über sinnvolle Maßnahmen bezüglich der Zahngesundheit bei Ihrem Haustier. Dazu gehören eine Erhebung des aktuellen Gesundheitszustandes des Zahnhalteapparates bei Ihrem Haustier und eine Beratung über mögliche therapeutische sowie prophylaktische Maßnahmen wie Zähneputzen (welche Zahnbürste ist die richtige, welche Zahncreme kann verwendet werden, Technik des Zähneputzen und welches Futtermittel bzw. Leckerchen sind die richtigen).



