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Schilddrüsenüberfunktion

29.02.2016, 11:09 von Dr. med. vet. Andreas Chr. Böhm

 

Ein Katzenleben mit Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)

 

Die Schilddrüse befindet sich bei der Katze am Hals, unterhalb des Kehlkopfes. Sie besteht aus 2 getrennten Schilddrüsenlappen, sie jeweils links und rechts der Luftröhre anliegen.
Schilddrüsenhormone sind mitverantwortlich für:

  • Herzkreislaufsystem: Erhöhung der Herzfrequenz und des Blutdrucks
  • Stoffwechsel: Erhöhung des Zucker- und Fettstoffwechsels
  • Magendarmtrakt: Erhöhung der Aktivität der Darmmotorik
  • Nervensystem: Erhöhung der Erregbarkeit
  • Temperaturregulation: Erhöhung der Körpertemperatur

 

Die Schilddrüsenüberfunktion (= Hyperthyreose) ist die häufigste hormonelle Erkrankung der älteren  Katze.  Dabei kommt es zu einer Überproduktion von Schilddrüsenhormonen durch eine Vermehrung von Schilddrüsenzellen (also einer insgesamt vergrößerten Schilddrüse). In 98 % ist der Auslöser ein gutartiger Tumor (Schilddrüsenadenom), nur in 2% der Fälle liegt ein bösartiger Tumor (Schilddrüsenkarzinom) zugrunde.

 


Die durch eine Überfunktion somit bedingte Steigerung des Stoffwechsels, erhöht den Energieverbrauch jeder Zelle. Das führt dazu, dass die Katze deutlich mehr Futter aufnehmen muss, um genügend Energie bereitstellen zu können. Mit Fortschreiten der Erkrankung wird es für die Katze zunehmend schwieriger, durch die Futteraufnahme den Energiebedarf zu decken, so dass es schließlich zum Gewichtsverlust kommt.

 


Die Abmagerung der Katze trotz eines guten Appetits ist das auffälligste klinische Zeichen für eine Schilddrüsenüberfunktion.

 


Folgende Krankheitssymptome können beobachtet werden:

  • Gesteigerter Appetit bei gleichzeitiger Abmagerung
  • Nervosität und Aggressivität
  • Struppiges Haarkleid
  • Durchfall und/oder Erbrechen
  • Vermehrter Harnabsatz
  • Vermehrtes Trinken
  • Ängstlicher Gesichtsausdruck/Zittern
  • Beschleunigter  Herzschlag
  • Beschleunigte Atmung

 

Allerdings zeigen nicht alle erkrankten Tiere diese Symptome.
In vielen Fällen kann bei der Untersuchung in der Tierarztpraxis eine vergrößerte Schilddrüse bereits getastet werden. In manchen Fällen kommt es jedoch auch zur vermehrten Produktion von Schilddrüsenhormonen aus versprengtem Schilddrüsengewebe aus dem Brustkorb. Mit einer vergrößerten Schilddrüse ist die Diagnose jedoch noch nicht gestellt, denn auch gesunde Katzen können manchmal eine vergrößerte Schilddrüse ohne Überfunktion haben.

 


Um die Diagnose zu sichern ist eine Blutuntersuchung notwendig. Obwohl beide Schilddrüsenhormone (Trijodthyronin T3 und Thyroxin T4) im Übermaß produziert werden ist der T4-Wert der genauere.  Etwa 10 % der Katzen zeigen trotz typischer Symptome eine T4-Konzentration im Referenzbereich. Ursache dafür können andere Grunderkrankungen oder eine sehr schwache ausgeprägte Hyperthyreose sein. Es empfiehlt sich dann eine Wiederholung der Blutuntersuchung nach 2 Wochen.

 


Es ist empfehlenswert bei der Blutuntersuchung auch gleich die Organwerte zu überprüfen, um auszuschließen, dass bei Ihrer Katze keine anderen Grunderkrankungen bestehen, die die Behandlung der Schilddrüsenüberfunktion beeinträchtigen könnten.

 

Prinzipiell gibt es bei der Behandlung der Schilddrüsenüberfunktion 4 Behandlungsoptionen:

 


1. Medikamentelle Therapie
2. Radiojodtherapie
3. Spezielles Diätfutter für hyperthyreote Katzen
4. Chirurgische Entfernung des Schilddrüsentumors

 


Die medikamentelle Behandlung erfolgt mit einem speziell für die Katze zugelassenen Medikament. Der Wirkstoff der Tabletten führt zu einer Reduzierung der Schilddrüsenhormonproduktion. Für eine dauerhafte stabile Gesundheit Ihrer Katze ist eine lebenslange Therapie nötig. Bleibt eine Schilddrüsenüberfunktion unbehandelt, führt dies zu ernsthaften Folgeerkrankungen, wie Bluthochdruck und Herzbeschwerden. Als Folge des erhöhen Blutdrucks können Nierenerkrankungen und Blindheit auftreten. Die meisten Nebenwirkungen treten, wenn überhaupt, während der ersten 3 Monate der Behandlung auf. Sie sind üblicherweise sehr mild ausgeprägt. Hauptsächlich kann Appetitlosigkeit, Erbrechen, Antriebslosigkeit auftreten. Zur Überwachung müssen regelmäßige Blutuntersuchungen durchgeführt werden, um das ansprechen der Behandlung sowie mögliche Nebenwirkungen der Therapie zu überwachsen. Die Abstände dieser Untersuchungen werden individuell festgelegt, in der Regel erfolgen die Kontrollen nach 3 Wochen, 6 Wochen, 12 Wochen und dann alle 3-6 Monate.

 


Die Radiojodtherapie  ist ein nuklearmedizinisches Verfahren, bei welchem radioaktives Jod injiziert wird. Dieses Jod reichert sich speziell im Tumor der Schilddrüse an und zerstört das Gewebe.

 


Neu am Markt ist ein Diätfutter für hyperthyreote Katzen mit sehr geringen Mengen an Jod, wodurch die übermäßige Produktion von Schilddrüsenterminen gehemmt werden soll.

 


Die chirurgische Entfernung des Tumors führt bei 90% der Tiere zur Heilung. Nachteile der Operation sind das Narkoserisiko und das Risiko, dass die unmittelbar benachbarte Nebenschilddrüse oder sie umgebenden Nerven während der Operation verletzt werden können.

 

Welche der genannten Behandlungsoptionen für Ihre Katze die richtige ist muss individuell beraten und entschieden werden. Dafür stehen wir Ihnen in unserer Praxis gerne zur Verfügung!

 

 

 

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